Das Grundproblem
Generative AI hat kein Problem damit, ein „perfektes“ Bild zu liefern. Genau da fängt es an, mich zu nerven. Diese Bilder sind sauber, glatt und durchoptimiert – aber oft komplett ohne Herkunft und ohne Spuren.
Du siehst etwas, das technisch beeindruckend ist, aber emotional leer bleibt. AI weiss, wie etwas aussehen soll. Aber sie weiss nicht, warum etwas fühlen muss. Und genau dieser Unterschied macht für mich gute Gestaltung aus.
Alles sieht gleich aus
Scrolle durch Social Media und du siehst jeden Tag dieselbe Ästhetik: dieselben Pastelltöne, dieselben 3D-Bubbles, dieselben „Traumgesichter“, dieselben hypercleanen Interiors. Alles ist perfekt – aber alles ist austauschbar.
AI erzeugt Masse, nicht Identität. Wenn jede Marke denselben Prompt-Style verwendet, verschwinden Unterschiede. Statt Haltung bleibt nur noch Oberfläche. Und Oberfläche alleine trägt kein Brand.
Wo ist der Mensch?
Wenn du eine Kamera in die Hand nimmst, passieren Dinge, die AI nicht simulieren kann: eine unperfekte Belichtung, ein Moment, der echt ist, ein Schatten, der zu früh oder zu spät fällt, eine Hand, die zittert, ein Blick, der nicht geplant war.
Das sind die Elemente, die ein Bild tragen. Fehler, Zufälle, Entscheidungen. AI kann Details erzeugen – aber sie kann keine Entscheidungen treffen, die Charakter haben. Charakter entsteht aus Erfahrung, Kontext und einem echten Blick auf die Welt.
Das Internet ist überfüllt
Ich sehe AI nicht als kreative Gefahr, sondern als ästhetische Müdigkeit. Wir sind an einem Punkt, an dem jede Marke das Gefühl hat, „auch mal ein paar AI-Bilder machen zu müssen“. Das Resultat ist eine Wand aus Content, der gleich riecht, gleich aussieht und gleich klingt.
Was mich nervt, ist nicht die Technologie selbst. Es ist das, was sie mit der visuellen Kultur macht, wenn sie unreflektiert eingesetzt wird. Noch mehr Content, noch weniger Haltung.
Nikternet’s Approach
Für mich bedeutet Design: sehen statt generieren, reduzieren statt aufblasen, fühlen statt nur rendern. Ich benutze AI als Werkzeug – nicht als Stil. Ich brauche keine „AI-Optik“. Ich brauche Atmosphäre.
Ich will Dinge bauen, die jemand in drei Jahren noch erkennt, weil sie einen menschlichen Abdruck haben – nicht, weil der Prompt clever war. Marken müssen nicht „AI-first“ sein. Sie müssen spürbar sein.
Fazit
AI ist weder Feind noch Rettungsring. Sie ist ein Tool. Bilder, die etwas bedeuten, entstehen aber nicht aus Datenbanken, sondern aus Absicht.
Absicht kommt nicht aus einem Algorithmus. Sie kommt aus Kopf und Bauch. Solange das so bleibt, hat menschliches Design nicht nur Zukunft, sondern auch Verantwortung – vor allem im Internet.